Ein Puppenhaus-Traum wird wahr
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Ein eigenes Puppenhaus zu besitzen, war ein lang gehegter Wunsch, der sich aus verschiedenen Gründen bisher nicht erfüllt hatte.
Ein Eigenbau war geplant, handwerkliches Geschick und Freude waren vorhanden, aber irgendwie fehlte immer die Zeit oder die Gelegenheit.
Dann ging auf einmal alles ganz schnell.
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Eine Bekannte schickte die Kopie eines amerikanischen Sammlermagazins, auf dem ein vermutlich deutsches Puppenhaus zu sehen war.
Das abgebildete Haus ähnelte frappierend dem Elternhaus der zukünftigen Puppenhausbesitzerin, so dass sie sich gleich unsterblich verliebte.
Recherchen wurden angestellt und die ganze Familie legte sich ins Zeug.
Schließlich fand man heraus, dass das Haus nach einer Bauanleitung entstanden war, die zwischen 1900 und 1910 bei Otto Maier, Ravensburg erschienen war.
Die Anleitung bestand aus neun Modellbögen und einem Begleitheft, das die Geschichte der neunjährigen Else und ihres Bruders Karl erzählt.
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Beide bauen mit ihrem Vetter Alfons in den Ferien das Puppenhaus nach einer Anleitung, erschienen in dem „Büchlein“ „Spiel und Arbeit“.
Nachdem die drei die nötigen Holzteile beim Schreiner besorgt haben, geht es an die Arbeit, damit Karl „spielend sehr viel lernen“ kann und die Kinder eine hübsche Erinnerung an die Ferien haben.
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In Falle unseres Hauses war der Stapel der benötigten Holzteile mit einer riesigen roten Schleife verziert und lag auf dem Geburtstagstisch der zukünftigen Besitzerin.
Allerdings dauerte es etwas länger als nur über die Ferien, bis das Richtfest gefeiert werden konnte.
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Fünf Jahre Bauzeit brauchte das Traumhaus.
In dieser Zeit entstanden auch schon alle Möbel, zumeist aus Bausätzen oder auf Reisen gesammelt.
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Unzählige kleine Giebel und Gauben, Erker und Türen mussten in Laubsägearbeit hergestellt werden.
Die verschlungenen Verzierungen an Treppen- und Balkongeländern erforderten höchste Präzision beim Arbeiten.
Zierleisten, Tapeten, Bodenbeläge, Türklinken, Gardinen und sogar Seidenteppiche, auf einer Türkeireise entdeckt, wurden herbeigeschafft. Die Kinder sammelten Holzstäbchen und –rührer als Material für die Dachziegel.
Es mussten sogar noch verschiedene Größen beschafft werden, da die Ziegel der Gauben kleiner sind. Es wurde ein befreundeter Arzt aktiviert, der die Untersuchungsstäbchen im Krankenhaus auf Ziegeltauglichkeit untersuchte. Alle wurden einzeln bemalt, um einen “gealterten” Look zu erhalten.
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Beim Bau und der Einrichtung orientierte man sich am Elternhaus der Besitzerin, so dass der Grundriss etwas verändert wurde.
Neben einem eleganten Hutsalon beherbergt das Erdgeschoss eine Nähstube und ein Kontor.
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In der Beletage befinden sich neben der Küche der Salon, ein Herrenzimmer und das Bad. Unter dem Dach haben die Kinder und das Hausmädchen ihr Reich.
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Wie musikalisch die Bewohner des Hauses sind zeigt sich an den Musikinstrumenten auf dem Treppenabsatz.
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Das Haus ist von allen Seiten zu öffnen.
Dazu wurden die Seitenwände mit Scharnieren versehen und die Giebelseiten mit einem Stecksystem.
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Alle Fenster sind verglast, öffenbar und mit kleinsten Kupferhaken und –ösen zu verschließen.
Alle Lampen des Hauses sind elektrifiziert, so dass es bei Dunkelheit beleuchtet werden kann.
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Um es von allen Seiten bewundern zu können, wurde es auf einem drehbaren Sockel installiert und ist ein absolutes Schmuckstück geworden, das nicht nur der Besitzerin viel Freude macht, sondern auch von Besuchern immer wieder bestaunt und bewundert wird.
Allerdings fragen sich die am Bau Beteiligten immer noch, wie Vetter Alfons das während der Ferien wohl geschafft haben soll.
(Text und Fotos: Petra Daniels)